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BlackBerry Android: Auswirkungen auf Reputation, Sicherheit, Kunden und Entwickler

von Ben Witt
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In den letzten Wochen kursieren Bilder und Informationen über ein neues BlackBerry Smartphone mit Android als Betriebssystem. Doch ist es ratsam auf den Mainstream-Zug aufzuspringen? Welche Auswirkungen könnte dies auf die Reputation, Sicherheit, Kunden und Entwickler haben?

BlackBerry hat seine eigene EMM-Lösung BES (BlackBerry Enterprise Service) auf Multi-OS getrimmt und unterstützt neben BlackBerry 10 auch Android, iOS und Windows. Mit der BlackBerry Experience Suite möchte man die Bedienung und den Workflow eines BlackBerry 10 auch auf diese mobilen Betriebssysteme verwirklichen. Der Fokus liegt auf Enterprise und Software.

Nun aber die Meldung, dass es angeblich einen neuen Slider mit Android als Betriebssystem geben wird.

Reputation und Sicherheit

Android ist sehr anfällig für Sicherheitslücken. In letzter Zeit sind wieder einige bekannt geworden. Es sind On-Top Sicherheitslösungen notwendig, um sensible (berufliche) Daten zu schützen.
BlackBerry selbst bietet den Secure Work Space an: Eine Containerlösung, die über den BES-Client installiert wird und einen zweiten abgeschirmten Bereich mit eigenem Launcher bietet.
Samsung bietet KNOX an. Diese Lösung greift schon beim Gerätestart und setzt auf dem untersten Level an. Diese Lösung ist energiesparend und ein App Wrapping entfällt.
Google bietet selbst Android for Work an. Für diese Lösung muss eine Google Adresse oder die Domain mit einem Google Work Account gekoppelt sein und trennt die persönlichen und beruflichen Daten per Multi-User.

Bei einem BlackBerry Gerät mit Android als Betriebssystem muss man nun wissen, wie BlackBerry das System sichern will.

Auf einigen Fotos des angeblichen BlackBerry Sliders erkennt man eine PIN, die in den Displayecken eingeblendet wird. Hat BlackBerry es geschafft, eine Hardware-PIN und das dahinterliegende System in Android einzubetten?

Diese PIN kann auf mehrere Dinge hinweisen:

  • Verschlüsselung und Identifizierung auf Hardware-Ebene
  • Trusted Boot
  • BES-Core Anbindung

Dies bedeutet, dass in Sachen Verschlüsselung und Kommunikation keine Unterschiede mehr zwischen Android und BlackBerry 10 bestünden wenn nun auch noch das neueste Gerücht dazu kommt, dass kein Android/Linux sondern der QNX Kernel zum Einsatz kommt. Android und QNX basieren beide auf UNIX. Dann würde auch “Android secured by BlackBerry” passen.

Doch Android bleibt Android. Und was passiert wenn es doch gehackt wird? Der Bootloader wird geöffnet oder Root Zugriff wird ermittelt und bereitgestellt?

BlackBerry ist nicht mehr sicher!

Genau das werden dann alle Blogs und News-Seiten veröffentlichen und sich gegenseitig kopieren. Privatanwender sehen keinen Mehrwert. Geschäftskunden würden in ihren Entscheidungen wanken. Aber welcher CEO gesteht sich Fehlentscheidungen ein?!

Zum Glück verstehen ITler und mancher CEO die Unterschiede und greifen auf BlackBerry 10 zu.

Aber die Reputation wäre hin! Und da helfen keine BlackBerry Fan Seiten. Hier muss im Vorfeld aktiv kommuniziert und gehandelt werden, welche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Leider ist dies keine Kernkompetenz von BlackBerry. Warten wir also die offizielle Vorstellung des neuen Gerätes ab.

Kunden

Wenn BlackBerry ein Android herausbringt, muss der Kunde dies auch verstehen.

Sollte dies eine Strategie sein, um Privatanwender zu gewinnen (was eigentlich nicht im Fokus liegt), müssen Geräte in den Geschäften liegen und Reseller geschult werden, gerade wenn eine Hardware-PIN zum Einsatz kommt. Aber dies ist ja auch schon bei BlackBerry 10 Geräten nicht oder nur mangelhaft geschehen. Geschäftskunden müsste ein eventuell vorhandener Benefit aufgezeigt werden.

BlackBerry hat aber Personal abgebaut und konzentriert sich zunehmends auf das Softwaregeschäft. Wie soll nun also die Kommunikation nach außen geschehen? Auch hier reichen BlackBerry Fan Seiten nicht!

Entwickler

BlackBerry 10 Entwickler für den Privatanwender sind rar. Doch sie erstellen noch produktive Apps. Wenn nun also ein Android Gerät von BlackBerry kommt, warum sollten sie noch native BlackBerry 10 Apps erstellen?

Im Work Perimeter laufen nur native Apps, keine nativen sowie portierte Android Apps. Aber Work Apps werden meist als Auftragsfertigung erstellt oder von Systemhäusern bereitgestellt und landen meist nicht in der BlackBerry World. Work Apps können den Handhelds direkt über einen BES zur Verfügung gestellt werden. Demnach ist vermutlich die Dunkelziffer an verfügbaren Business Apps höher als die verfügbaren Apps in der BlackBerry World.

Doch der Fokus auf Android und iOS zeigt sich im Bezug auf Business Apps am Beispiel von SAP Fiori. Diese Lösung ist nun für Secure Work Space auf Android und iOS verfügbar und es sollen noch weitere folgen. Einerseits ist diese Meldung gut, denn so ist es egal mit welchem Betriebssystem man per BES arbeitet, da wichtige Business Apps zur Verfügung stehen. Doch BlackBerry 10 sollte nicht aus den Augen verloren werden.

Da aber BlackBerry 10 nur einen geringen Marktanteil hat, ist die Erreichung des Deckungsbeitrages um einiges schwieriger für die Entwickler. Auftragsfertigungen sind hier ausgenommen, da diese mit dem Auftraggeber verhandelt werden und meist keinen Mengenumsatz generieren.

Da auch das kommende Windows 10 Mobile Android und iOS Apps durch leichte Portierung unterstützen, wollen die meisten Entwickler sich nun auf diese zwei Plattformen konzentrieren. Klar: mehr Kunden auf verschiedenen Systemen erreichen ohne zusätzlichen Arbeits- und Zeitaufwand.

BlackBerry CEO

John Chen hat dem Unternehmen eine Deadline gesetzt: Wird das Hardwaregeschäft sich bis dahin nicht rentieren, wird es abgestoßen. Der Zeitpunkt ist nicht bekannt.
Er will das Softwaregeschäft als Kernkompetenz ausbauen und Einnahmen durch Patente stärken. Doch der IBM-Weg wird einiges an Kraft und Zeit brauchen um erfolgreich zu sein. Könnte also noch ein Turnaround kommen? Schon wieder oder immer noch?!

Chen sagte auf einer Veranstaltung im Churchill Club Palo Alto dazu:

IBM´s Patentlizenzgeschäft stellt einen guten Ansatz zur Emulierung dar. Zur Umsetzung eines solchen Modells braucht es aber Zeit.

Er weiß, dass seinem Betriebssystem Apps fehlen und meinte, dass sein Unternehmen weiterhin hart an diesem Problem arbeitet.

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